![]() |
Arzneimittel-Report 2005 |
In den Tab. 37 und 38 im Anhang sind Aufstellungen über die 200
meist verordneten und umsatzstärksten Arzneimittel zu fi nden, die für
Patientinnen und Patienten der GEK verordnet wurden.
Dort werden auch Hinweise darauf gegeben, welchen Rang diese
Arzneimittel im Jahre 2004 im Vergleich zum Jahr 2003 einnehmen.
Bei den Aufstellungen nach Ausgaben ist, wie schon im Jahre zuvor,
der Cholesterinsenker Sortis das führende Produkt. Diesen Rang wird
das Mittel verlieren, weil es seit Beginn des Jahres 2005 nur noch
selten im Rahmen der GEK verordnet wird, nachdem die Herstellerfi rma
Pfi zer den festgesetzten Festbetrag nicht akzeptiert hat und weiterhin
den ursprünglichen Preis verlangt. Dies hat aber dazu geführt, dass im
Rahmen der GEK nur noch rund 10% der üblichen Verordnungsmenge
gesehen wird dieses Mittel wird aus diesem Grund sowohl im Bereich
der umsatzstärksten als auch der meist verordneten Mittel einen vorderen
Platz verlieren.
Die umsatzstarken Mittel Rebif und Betaferon werden typischerweise
bei multipler Sklerose eingesetzt sicherlich eine sinnvolle, wenn auch
teure Therapieoption für etwa 20% der Patientinnen und Patienten.
Vom Umsatzrang absolut nicht nachzuvollziehen ist der vierte Platz
des Protonenpumpenhemmers Nexium Mups (Verordnungsrang 8), ein
Analogprodukt, dessen Nutzen keineswegs besser belegt ist als der
des Wirkstoffs Omeprazol, das längst als kostengünstiges Generikum
verfügbar ist. Das erste Generikum mit diesem Wirkstoff rangiert erst
auf Platz 25, bei der Verordnungsmenge erst auf Platz 34. Das Einsparpotenzial
mit Generika ist zwar nicht besonders hoch, aber immerhin
82
vorhanden. Insofern gibt es keinen pharmakotherapeutischen Grund,
Nexium Mups zu verordnen und schon gar nicht, wie im Jahr 2004
geschehen, die Verordnungsmengen zu steigern, so dass Nexium Mups
vom 19. Platz im Jahre 2003 auf den 8. Platz im Jahre 2004 kletterte.
Aus der gleichen Arzneimittelgruppe stammt der Wirkstoff Pantoprazol im
Arzneimittel Pantozol, das nach Umsatz an der 5. Position (im Vorjahr an
4. Stelle) und nach Verordnungen an der 14. Stelle (Vor jahr 27. Stelle)
steht. Bei diesem Mittel sind die Effi zienzgewinne beachtlich, wenn es
durch Omeprazol-Generika substituiert wird, rund 400.000 Euro könnten
alleine bei diesem einen Produkt eingespart werden immerhin ca.
15%. Alleine unter den 50 umsatzstärksten Aus gaben stehen mit den
Präparaten Sortis, Nexium Mups, Pantozol, Beloc, Valoron N und Norvasc
sechs Arzneimittel, die allesamt durch kosten günstigere Generika
ausgetauscht werden könnten ein Qualitätsverlust wäre dabei nicht zu
erwarten. Die GEK hat für diese sechs Arzneimittel rund 15 Mio. Euro
im Jahre 2004 ausgeben müssen rund 20% hätten durch intelligente
Substitution eingespart werden können. Eine Forderung, die sich an die
Ärztinnen und Ärzte richtet, ist daher, möglichst dort, wo kostengünstige
Generika angeboten werden, auch diese Alternativen zu nutzen, damit
dort, wo neue und teure Innovationen notwendig sind, auch fi nanzieller
Spielraum für diese Arzneimittel wie Interferone bei MS oder Hepatitis
C, Krebs oder HIV / AIDS bleibt. Mindestens sechs Analogpräparate
unter den umsatzstärksten 50 Produkten zu fi nden, zeugt nicht unbedingt
von hoher pharmakotherapeutischer Kompetenz und ausreichender
Resistenz gegenüber einer massiv auf tretenden Industriepropaganda.
Herstellerunabhängige Fortbildung tut offensichtlich Not, weil nur so die
möglichen Effi zienzreserven "gehoben" werden können.
Bei der Aufl istung der Arzneimittel mit den höchsten Tagesdosierungen
steht übrigens Elmex Gelee an erster Stelle. Dieses Mittel steht bei den
Verordnungen auf Platz 57, in der Liste der umsatzstärksten 200 Mittel
wird es überhaupt nicht geführt. Nur die Festsetzung eines niedrigen DDD83
Wertes hat dazu geführt, dass das Mittel in der DDD-Liste mit weitem
Vorsprung an der ersten Stelle steht. Es ist also keine Auffälligkeit, der
man nachgehen müsste.
Die Einsparpotenziale auf einen Blick:
Drei Bereiche sind es, die dringend für Einsparpotenziale genutzt werden
müssen: